Deutsche Meisterin über 60m Hürden.

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Gesa Tiede ist Deutsche Meisterin der U20 über 60m Hürden.

SINDELFINGEN - Neun Zentimeter höher waren die Hürden. Die Kontrahenten mitunter zwei Jahre älter. Gesa Tiede hielt das alles jedoch nicht auf. Die 16-jährige Leichtathletin des USC Mainz lief bei den Deutschen U 20-Meisterschaften in Sindelfingen über 60 Meter Hürden zu Gold, knackte den Hausrekord und ließ im Finallauf die Zweitplatzierte eine ganze Zehntel hinter sich. „Es war Wahnsinn“, fasst die Siegerin nach dem Rennen das Geschehen zusammen. Die gleichen Worte wählte auch ihr Trainer Christian Hurst, der ergänzte: „Natürlich haben wir mit einer Medaille geliebäugelt, aber damit konnte man natürlich nicht rechnen.“

Gleich dreimal knackte Tiede ihre Bestmarke über die höheren Hürden. Verbesserte sich im Vorlauf auf 8,62, im Halbfinale dann auf 8,53 und im Finale schließlich auf 8,47. Schneller war bei der U 20-DM noch keine. Diese Leistung als eigentliche U 18-Athletin – mehr als nur ein Ausrufezeichen. Die höheren Hürden kommen ihr offensichtlich entgegen. „Bei den kleineren Hürden in der U 18 hat sie sich manchmal schwergetan, war teilweise etwas ungestüm mit ihrem Oberkörper. Mit den größeren Hürden hat sie diese Probleme nicht“, sagte ihr Trainer.

Mit dem Deutschen Meistertitel steht Tiede nun im Schaufenster. Im Sommer steht die U 20-EM in Boras (Schweden) im Wettkampf-Kalender. Als Deutsche Hallenmeisterin gehört Tiede nun endgültig zum Kandidatenkreis. „Wir haben das im Hinterkopf“, sagte Hurst. Allerdings haben die beiden U 18-EM-Teilnehmer vom Vorjahr, Antonia Buschendorf und Amelie Braun, in der aktuellen Hallensaison ausgesetzt. Mit ihnen wird sich Tiede im Sommer ebenso messen müssen wie mit Sharon Enow Abio, die in Sindelfingen im Vorlauf nach Fehlstart disqualifiziert wurde. „Es bleibt abzuwarten, wie die sich entwickeln“, so Hurst. Bleibt Tiede in der Form der Hallensaison, führt bei den drei deutschen EM-Tickets aber kein Weg an ihr vorbei.

Die Bundestrainer dürften zudem längst realisiert haben, dass Tiede eine Athletin ist, die konstant ist und sich nicht verrückt machen lässt. „Ich bin generell nicht so der nervöse Mensch. Natürlich war ein bisschen Anspannung da, aber ich hatte einfach große Lust, zu laufen“, sagte Tiede am Mikrofon von „leichtathletik.de“. Trainer Hurst lobt ebenfalls ihre Unbekümmertheit: „Sie war wieder einmal da, als es darauf ankam.“ Ein Lob verteilt er auch in Richtung Trainerkollege Thomas Kohlbacher. „Da ich in diesem Winter beruflich sehr eingebunden war, hat er sehr viel aufgefangen. Er hat eine Wahnsinnsarbeit geleistet und Gesa technisch super weiterentwickelt“, so Hurst.

Tiede beließ es am Wochenende nicht bei einer Bestmarke. Am Sonntag startete die 16-Jährige noch im Weitsprung, landete erstmals bei 5,94 Metern, erreichte den Endkampf und Rang sieben. „Auch damit sind wir sehr zufrieden“, sagte Hurst. „Gesa ist ganz gut reingekommen und als sie die Chance auf den Endkampf gesehen hat, hat sie einen Supersprung rausgehauen.“ Ein starker Schlusspunkt unter ein überragendes Wochenende und eine überragende Hallensaison.

(Quelle AZ)