Geschichte und Gegenwart des Leistungssports im USC Mainz

 

von Stefan Letzelter

Nach seiner Gründung im Jahre 1959 als Verein vor allem für die Studentinnen und Studenten der Universität Mainz hat sich der USC Mainz sehr schnell zum führenden Leichtathletik-Verein in Rheinland-Pfalz und einem der erfolgreichsten Clubs in Deutschland entwickelt. Diesen Status konnte er bis heute halten.

Bereits 1962, also drei Jahre nach der Gründung, stellte der USC mit Speerwerfer Hermann Salomon - später Professor am Fachbereich Sport der Universität Mainz - seinen ersten Teilnehmer bei Leichtathletik-Europameisterschaften.

Erfolge bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften

Zwei Jahre später, bei den Olympischen Spielen in Tokio, waren bereits drei USC-Athleten am Start: Erneut Hermann Salomon, der 800m-Läufer Dieter Bogatzki (7. Platz) und der Zehnkämpfer Hans-Joachim Walde. Diesem gelang es mit seinem dritten Rang (7.809 Punkte), die erste olympische Medaille für den USC zu gewinnen. Über zwei Dutzend weitere Olympiateilnehmer stellte der Verein in der Folgezeit, fünf Mal Edelmetall konnten diese mit nach Hause bringen. Die Krönung gelang 1972 Ingrid Mickler-Becker, die bereits vier Jahre zuvor für ihren Heimatverein LG Gesecke Gold im Fünfkampf geholt hatte. Sie siegte mit der 4x100m-Staffel in einem legendären Rennen gegen die DDR. Annegret Kroninger war in dieser Formation noch nicht dabei, stand aber in der Staffel, die vier Jahre später Silber in Montreal holte.

Auch bei den seit 1983 ausgetragenen Leichtathletik-Weltmeisterschaften war der USC regelmäßig vertreten. Hier sind vor allem die zwei Titel durch Diskuswerfer Lars Riedel (1991 und 1993) zu nennen, aber auch eine ganze Reihe weiterer Medaillen, zuletzt 2001 durch die Sprinterinnen Marion Wagner (Gold mit der 4x100-m-Staffel) und Florence Ekpo-Umoh (Silber über 4x400m). Davor waren es vor allem die Zehnkämpfer (Siegfried Wentz: 3. Platz 1983 und 2. Platz 1987, Christian Schenk: 3. Platz 1991), die Edelmetall mit nach Hause brachten.

Mehrkämpfer auf Rekordjagd

Die Mehrkämpfer waren auch die führenden Rekordjäger. So stellte Guido Kratschmer 1980 mit 8.649 Punkten einen Weltrekord auf und wäre als Favorit zu den Olympischen Spielen nach Moskau gefahren, hätten die meisten westlichen Länder diese nicht boykottiert. Siegfried Wentz war zwischenzeitlich Weltrekordler im Hallen-Siebenkampf, und die beiden sind nach wie vor zusammen mit Jens Schulze (inoffizielle) Weltrekordler mit der Zehnkampfmannschaft. Kein anderes Team hat jemals ein solches Ergebnis erzielen können wie die drei mit ihren 25.376 Punkten am 4./5. Juni 1983 in Bernhausen.

Die USC-Zehnkämpfer drückten auch den Europameisterschaften ihren Stempel auf. Allen voran bereits 1966 Werner von Moltke und Jörg Mattheis, denen in Budapest ein historischer Doppelsieg gelang. Der Drittplatzierte Horst Beyer wechselte zur folgenden Saison nach Mainz. Erfolgreichstes EM-Jahr war 1971, als drei Titel und vier weitere Medaillen gewonnen wurden. Unter anderem siegte der Hammerwerfer Uwe Beyer, der in seiner Karriere auch drei Deutsche Rekorde warf und sich später ehrenamtlich im USC engagierte. Die letzten EM-Medaillen gab es 2002 in München, als Florence Ekpo-Umoh Gold über 4x400m und Marion Wagner Silber über 4x100m gewinnen konnten.

Auf nationaler Ebene ist der USC bereits bei fast 400 Meistertiteln angelangt – die überaus erfolgreichen Sportler und Sportlerinnen der Seniorenklassen nicht mitgezählt.

Leider gab es in der Geschichte des USC auch traurige Momente. Tiefpunkte waren sicherlich die Todesfälle von Siebenkämpferin Birgit Dressel, die 1987 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere im Krankenhaus an Kreislaufversagen starb und Uwe Beyer, der 1993 im Urlaub in der Türkei auf dem Tennisplatz zusammenbrach.

Ein Verein für Studenten

Von seiner Gründung bis in die 1980er Jahre machte der USC Mainz seinem Namen alle Ehre, denn er war vor allem ein Verein für Studenten und Angehörige der Universität Mainz. Als noch nicht das Geld der bestimmende Faktor war, lockte vor allem die hervorragende Kombination aus Studien- und Trainingsbedingungen die Athleten nach Mainz. Begründet vom legendären Berno Wischmann und fortgesetzt von vielen weiteren Personen, die sowohl in der Uni als auch im Verein Ämter innehatten, war Mainz über Jahrzehnte ein Mekka für studierende Leichtathleten oder Leichtathletik betreibende Studenten. Logische Folge waren hunderte von Titeln bei deutschen Hochschulmeisterschaften und einige Erfolge auch bei Universiaden, so die Studentenweltmeistertitel 1987 durch Siegfried Wentz im Zehn- und 1997 durch Mona Steigauf im Siebenkampf.

Der USC im Eiskanal

Anfang des neuen Jahrtausends erwies sich der USC auch als Verein mit Exportcharakter für andere Sportarten. Nachdem bereits einige ehemalige Mehrkämpfer und Werfer diverse Herrenbobs als Anschieber bestückt hatten, gelang der ehemaligen Sprinterin und Weitspringerin Ulrike Holzner der erfolgreiche Umstieg in dieselbe Disziplin für die Damen. Höhepunkte ihrer zweiten Karriere waren die Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City und der gleiche Platz ein Jahr später bei der WM im eigenen Land. Ähnlich erfolgreich war die USC-Athletin Kerstin Jürgens, vor allem in den Wurfdisziplinen zu Hause und wie Holzner Sportstudentin an der Universität. Sie wechselte vom Bobsport weiter zum Skeleton, wo sie 2005 den Europameistertitel gewann und 2010 Silber bei den Olympischen Spielen in Vancouver holte.

Wiederbelebung der Zehnkampftradition

Waren es zuletzt überwiegend die Sprinterinnen und Stabhochspringerinnen, die mit DM-Titeln und internationalen Einsätzen die Fahne des USC hochhielten, sind es aktuell vor allem die jungen Speerwerfer und erneut die Mehrkämpfer, die von sich reden machen. Julian Weber wurde 2013 Junioreneuropameister im Speerwurf und katapultierte sich jüngst mit seinem Rheinland-Pfalz-Rekord von 88,29m auf den sechsten Platz der ewigen Deutschen Bestenliste. Logische Folge war die Nominierung für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, wo er den neunten Platz belegte. Niklas Kaul holte 2015 den U18-WM-Titel und 2016 den U20-WM-Titel im Zehnkampf jeweils mit Weltrekord und Manuel Wagner wurde U18-Europameister 2016. Die Mehrkampf-Mannschaften um Kaul und Wagner gewannen seit 2013 jedes Jahr den nationalen Meistertitel in ihrer Altersklasse. Besonders erfreulich, dass all diese jungen Sportler echte „Eigengewächse“ des USC sind. Dies spricht sicherlich für die herausragende Nachwuchsarbeit. Nichtsdestotrotz hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben, künftig auch wieder attraktiver für zugezogene Studierende zu werden sowie das Spektrum der leistungsstarken Disziplinen wieder zu erweitern. Erste Ansätze hierfür sind zum Beispiel im Laufbereich zu erkennen.